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Auch diese Frage muss verneint werden. Es wäre nicht Wien, wären nicht gelegentlich bei erhöhten Wagenbedarf, aber Fahrzeugmangel, vereinzelt Pferdewagen aus der Remise geholt worden. Das war - im Gegensatz zum heutigen Betrieb - kein Problem, denn der Straßenverkehr um [[1900]] kann nur als "chaotisch" beschrieben werden. Im innerstädtischen Bereich waren daher, unabhängig von der Antriebsform, selten Geschwindigkeiten jenseits der Schrittgeschwindigkeit zu verantworten. (Damit gemeint ist übrigens die Pferdegangart, damals gleichgesetzt mit 12 km/h). Durchforstet man die Zeitungsarchive, stößt man auf einen Artikel der "Kleinen Volkszeitung" von [[1930]], die in einem Rückblick die letzte Pferdetramway am [[2. Jänner]] [[1905]] vom Dreherpark zur Oper (heute [[Linie 62]]) verortet.
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Auch diese Frage muss verneint werden. Es wäre nicht Wien, wären nicht gelegentlich bei erhöhten Wagenbedarf, aber Fahrzeugmangel, vereinzelt Pferdewagen aus der Remise geholt worden. Oder auch zu Sonderverkehren, wo nicht elektrifizierte Stockgleise benützt werden mussten (z.B. Raimundtheater). Das war - im Gegensatz zum heutigen Betrieb - kein Problem, denn der Straßenverkehr um [[1900]] kann nur als "chaotisch" beschrieben werden. Im innerstädtischen Bereich waren daher, unabhängig von der Antriebsform, selten Geschwindigkeiten jenseits der Schrittgeschwindigkeit zu verantworten. (Damit gemeint ist übrigens die Pferdegangart, damals gleichgesetzt mit 12 km/h). Durchforstet man die Zeitungsarchive, stößt man auf einen Artikel der "Kleinen Volkszeitung" von [[1930]], die in einem Rückblick die letzte Pferdetramway am [[2. Jänner]] [[1905]] vom Dreherpark zur Oper (heute [[Linie 62]]) verortet.
  
 
Ob das tatsächlich der letzte Einsatz war, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden.
 
Ob das tatsächlich der letzte Einsatz war, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden.

Version vom 8. Februar 2024, 14:10 Uhr

Die letzte Pferdetramway

Es lief ab, wie seitdem immer wieder in gleicher, und historisch nicht ganz korrekter, Weise häufig wiederholt: Am 28. Jänner 1902 wurde nicht der letzte planmäßige Wagen (1479) von Meidling über Ring - Kai und zurück, Abfahrt 22.41 Uhr, Ankunft 00.25 Uhr, als letzter Pferdetramwaywagen Wiens gefeiert, sondern der 3 Minuten später nachgeschickte, besonders reich geschmückte, 1558, quasi als Pressesonderwagen. Da von diesem Auftritt Fotos und zahlreiche Zeitungsartikel existieren, wird dieses Datum (Betriebstag) 28. Jänner 1902 gemeinhin als der Tag des letzten Einsatzes einer Pferdetramway angesehen.

Doch das ist falsch, womit sich wiederum Parallelen zu manchem jüngeren Ereignis ergeben.

Denn auf der bereits zur Auflassung vorgesehenen Strecke Heiligenstädter Straße - Grinzinger Straße - Hohe Warte (Ersatz durch Barawitzkagasse) wurden noch bis 26. Juni 1903 Pferdewagen eingesetzt. Am 27. Juni 1903 erfolgte die Aufnahme des elektrischen Betriebs der Strecke Kolingasse - Liechtenwerder Platz, und das wurde zum Anlass genommen, diesen Abschnitt mit Dampftramwayzügen zu betrieben. Was übrigens Anrainerproteste nach sich zog. Die Strecke über die Grinzinger Straße wurde mit 23. Dezember 1903 aufgelassen.

War also der 26. Juni 1903 das tatsächliche Enddatum des Pferdewageneinsatzes?

Auch diese Frage muss verneint werden. Es wäre nicht Wien, wären nicht gelegentlich bei erhöhten Wagenbedarf, aber Fahrzeugmangel, vereinzelt Pferdewagen aus der Remise geholt worden. Oder auch zu Sonderverkehren, wo nicht elektrifizierte Stockgleise benützt werden mussten (z.B. Raimundtheater). Das war - im Gegensatz zum heutigen Betrieb - kein Problem, denn der Straßenverkehr um 1900 kann nur als "chaotisch" beschrieben werden. Im innerstädtischen Bereich waren daher, unabhängig von der Antriebsform, selten Geschwindigkeiten jenseits der Schrittgeschwindigkeit zu verantworten. (Damit gemeint ist übrigens die Pferdegangart, damals gleichgesetzt mit 12 km/h). Durchforstet man die Zeitungsarchive, stößt man auf einen Artikel der "Kleinen Volkszeitung" von 1930, die in einem Rückblick die letzte Pferdetramway am 2. Jänner 1905 vom Dreherpark zur Oper (heute Linie 62) verortet.

Ob das tatsächlich der letzte Einsatz war, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden.